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Weber schlägt zum dritten Mal zu

Der Deutsche gewinnt das Flückiger Cross in Madiswil vor Marcel Wildhaber

 Nach den Wetterkapriolen im Vorjahr, als sich die Elite-Kategorie der Männer die letzten Runden durch Hagelschauer kämpfen musste, herrschten in Madiswil in diesem Jahr perfekte Bedingungen. Der Regen am frühen Morgen weichte die Strecke zwar ein wenig auf und entschleunigte insbesondere die langen Wiesenpartien. Je länger der Renntag jedoch dauerte, umso mehr trocknete die Strecke ab und liess schnelle und spannende Rennen zu.

Für ein erstes Ausrufezeichen war Lars Sommer im Rennen der Junioren, Amateure und Masters besorgt. Der 16-jährige Nachwuchsfahrer aus Andwil, mit Rang 9 am Weltcuprennen in Bern der beste Schweizer Junior, ergriff von der ersten Runde an die Initiative und hielt die Konkurrenz stets auf Distanz. In der Abfahrt liess Sommer eine Prise Vorsicht walten, setzte dann aber auf den flachen Passagen zu und baute den Vorsprung regelmässig aus. So war der Sieg am Ende ungefährdet, mit 42 Sekunden Reserve auf Felix Stehli aius Gibswil.

Fest in italienischer Hand war das Rennen der Frauen. Die nominell stärkste Fahrerin, Francesca Baroni, liess nichts anbrennen und holte sich, nach Rang 3 im Vorjahr, auf eindrückliche Art und Weise den Sieg beim 7. Flückiger Cross. Die 19-Jährige aus Mailand zeigte sich als kompletteste aller Fahrerinnen, meisterte die Abfahrt souverän und kontrollierte das Geschehen auf der Fläche. Eine Minute lag nach fünf Runden zwischen ihr und der Bernerin Zina Barhoumi. Diese schuf ausgangs der letzten Abfahrt die Differenz im Kampf um Rang 2. Sie nahm mehr Schwung mit als Noemi Rüegg, überholte die 17-jährige aus Oberweningen und holte sich schliesslich den ersten Ehrenplatz.

Spannend bis zur letzten Runde verlief das Elite-Rennen der Männer. Als die letzte von neun Runden eingeläutet wurde, konnten sich noch fünf Fahrer Hoffnungen auf den Sieg machen. Die besten Karten hatten dabei Sascha Weber, welcher als zweifacher Madiswil-Sieger das Triple anstrebte, und Marcel Wildhaber, welcher beim Flückiger Cross schon viermal auf dem Podest gestanden hatte. Die beiden gingen deshalb als Erste in die letzte Runde, weil sie am wenigsten Fehler machten. „Ich bin sehr sauber gefahren, vor allem in der Abfahrt“, analysierte Wildhaber richtig. Das hielt ihm bis ganz zuletzt die Option auf den zweiten Tagessieg offen, obwohl er das ganze Rennen über leiden musste.

Dass es eben doch nicht ganz zuoberst aufs Podest reichte, war also nicht einer Schwäche Wildhabers, sondern eher der Stärke Sascha Webers zuzuschreiben. Auch der Deutsche hatte einen kleinen Patzer in seiner Fahrt, verpasste in der 7. Runde den Ausgang der Abfahrt und musste Wildhaber kurz ziehen lassen. Doch der Deutsche verfügte über die besseren Beine, fuhr die Lücke innert kurzer Zeit zu und war am Ende ganz einfach frischer als Wildhaber.

Beste Aussichten zumindest auf einen Podestplatz hatte zwei Runden vor Schluss auch Timon Rüegg – bis er an der Doppelhürde strauchelte, vom Rad musste kurzzeitig den Faden verlor. Mehr noch: „Ich musste den Lenker richten und verlor viel Zeit, das hat mich wohl den Podestplatz gekostet.“ Fünf Sekunden lag Rüegg damit am Ende hinter Simon Zahner, welcher in Madiswil zum dritten Mal unter die ersten drei fuhr.

Nichts mit den Plätzen ganz vorne hatte in diesem Jahr Lukas Flückiger zu tun. Der Sieger von 2013 sah bis ganz zuletzt von einer Teilnahme ab, entschied sich dann aber nach dem Einfahren am Mittag trotzdem für einen Start. Hätte es sich nicht um sein Heimrennen gehandelt, er wäre „nie und nimmer“ angetreten. Durch den Trainingssturz kurz vor der MTB-WM weist er noch immer einen erheblichen Trainingsrückstand auf: „Ich bin null Risiko eingegangen“, meinte er auch in Bezug auf die Wunde am Knie. „Viele Leute waren auch wegen mir gekommen, auch deshalb wollte ich heute unbedingt fahren.“

Rang 10 resultierte am Ende für den Mitorganisator, unmittelbar hinter OK-Präsident Andreas Moser, welcher nach Rennschluss zufrieden Bilanz ziehen konnte. „Der Regen machte das Rennen für die Zuschauer attraktiv, zudem gab es spannende Rennen.“ Der grosse Aufwand im Vorfeld lohnte sich abermals; bester Beweis dafür waren die vielen positiven Rückmeldungen der Elite-Fahrer, welche sich bei Moser ausdrücklich für die coole Strecke und einen tollen Anlass bedankten.